Angefangen in eher bescheidenen Räumlichkeiten in Stuttgart/D hat sich die Kocher + Beck GmbH + Co. Rotationsstanztechnik KG zu einem international tätigen Unternehmen entwickelt, das über Produktionsstandorte in Deutschland, Großbritannien, den USA und Russland verfügt. Heute fertigt das Unternehmen mit Hauptsitz in Pliezhausen viele verschiedene Produkte, zu denen Stanzwerkzeuge, Magnetzylinder, Siebdruckformen, Wickelautomaten und kundenspezifische Sonderlösungen gehören.

Kocher + Beck wurde 1965 als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) in Stuttgart von Erich Kocher und Rolf Beck gegründet. In den ersten Jahren war das Unternehmen in einem einfachen Ladenlokal untergebracht, wo die beiden Firmengründer Pokale und Stempel gravierten und die ersten Stanzzylinder herstellten. Aufgrund von zusätzlichem Raumbedarf für das neue Geschäftsfeld, die Fertigung und Nachbearbeitung von Stanzzylindern für Etikettendruckereien, zog Kocher + Beck 1967 nach Echterdingen nahe des Stuttgarter Flughafens um. Dort wurde die Firma rund sieben Jahre später in eine offene Handelsgesellschafft (OHG) umgewandelt. Im Jahr 1982 importierte das Unternehmen schließlich die ersten in Amerika entwickelten Rotationsstanzbleche und modifizierte diese für die heimischen Qualitätsanforderungen. Die Verbesserungen beinhalteten das Schärfen der Schnittflanken von Hand, da die Werkzeuge zum Stanzen der Etikettenbahnen in den USA lediglich geätzt wurden. Darüber hinaus begann die Produktion der ersten Magnetzylinder in unterschiedlichen Ausführungen.

Weitere sieben Jahre später sah sich das Unternehmen aufgrund steigender Nachfrage gezwungen, erneut umzuziehen, da die vorhandenen Kapazitäten der hohen Auftragslage nicht mehr gerecht wurden. Die Wahl für den neuen Hauptstandort fiel auf den Ort Pliezhausen nahe Stuttgart, von wo aus das Unternehmen noch heute seine weltweiten Geschäfte leitet. Mit dem Umzug in das 4200 m2 große Gebäude wurde die Handelsgesellschaft in die heutige Kocher + Beck GmbH + Co. Rotationsstanztechnik KG umfirmiert und die Herstellung von Stanzblechen und -zylindern als Kerngeschäft definiert.

Die Cutting Cylinder

Im Jahr 1991 stellte der Werkzeughersteller das manuelle Schärfen der Stanzbleche auf die automatische Fertigung mittels CNC-Fräsen um. Hierfür konstruiert das Unternehmen Produktionsanlagen nach eigenenVorstellungen, um den eigenen Qualitätsansprüchen sowie denen der Kunden, gerecht zu werden. Darüber hinaus wurde das Edge-Polishing-Verfahren zum Polieren der Schnittflanken entwickelt und das erste britische Vertriebsbüro von Kocher + Beck in Coalville eröffnet. Nur drei Jahre später wurde in demselben Ort eine Produktionsstätte für Stanzbleche gegründet, wo ebenfalls die selbstgebauten und erprobten Maschinen aus Pliezhausen zum Einsatz kamen. Diese internationale Ausrichtung führte jedoch zu Kontroversen unter den beiden Inhabern, so dass Erich Kocher aus dem Unternehmen austrat. Damit wurde Rolf Beck zum alleinigen geschäftsführenden Gesellschafter von Kocher + Beck. Unter seiner Leitung kam es in den folgenden Jahren zur Einführung von zusätzlichen Produkten, zu denen Briefumschlagwerkzeuge auf Basis von Magnetzylindertechnik und lasergehärte Stanzbleche gehören.

Im Jahr 1996 wurden Rolf Becks Söhne Lars (aktueller Geschäftsführer) und Peer (im April 2012 ausgeschieden) zu den Geschäftsführern des Unternehmens ernannt. Zu dieser Zeit machten Stanzbleche bereits einen Anteil von 60% des Gesamtumsatzes aus, während die Exportrate des Unternehmens bei 48% lag. Und die Nachfrage stieg weiter, so dass die Produktionsfläche ein Jahr später um 3000 m2 erweitert wurde. Dies beinhaltete 2200 m2 an Produktionsfläche sowie 800 m2 für die Verwaltung und Konstruktion. Weitere 200 m2 konnten durch den Kauf eines Nachbargebäudes gewonnen werden, welche für den CAD-Bereich und zusätzliche Lagerflächen verwendet werden. Zudem wurden zu dieser Zeit das innovative GapMaster-System sowie magnetische Buchdruckzylinder entwickelt, die dem Unternehmen ein weiteres großes Umsatzwachstum bescherten. Eine zusätzliche Erweiterung fand schließlich 2001 mit dem Kauf eines Gebäudes statt, was Kocher + Beck weitere 4000 m2 an Produktions- sowie 1276 m2 an Verwaltungsfläche einbrachte.

Mit der Eröffnung eines Vertriebsbüros in Kansas-City, KS/USA (1999) sowie der Gründung einer Produktionsstätte in Shawnee, KS/USA (2001) schritt auch die Internationalisierung weiter voran. Darüber hinaus wurde 2006 eine Produktionsgesellschaft für die Herstellung von Stanzblechen und Heißprägezylindern mit 27 Mitarbeitern in Moskau/RUS gegründet, die sich einen Gebäudekomplex mit den Unternehmen Avery Dennison und CCL Label teilt. Weitere Produktionskapazitäten gewann der Stanzwerkzeughersteller im Jahr 2007 durch die Übernahme eines amerikanischen Wettbewerbers mit 57 Mitarbeitern. Zudem wurde 2009 am Hauptstandort in Pliezhausen der Geschäftsbereich »Historische Feinmechanik« eingeweiht, in dem technische Teile und Aggregate für Automobile aus der Vorkriegszeit hergestellt werden.

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Gespiegelte Produktion ermöglicht einheitliche Qualität

Heute beschäftigt Kocher + Beck weltweit ca. 520 Mitarbeiter und erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund EUR 60 Mio. Produziert werden Stanzbleche, Magnetzylinder, Buch- und Flexodruckzylinder, Briefumschlagwerkzeuge, Stanzzylinder, Stanzaggregate, Prägezylinder, Kraftmess-Systeme, Zahnräder, Querschneider, Rollenwechsler sowie kundenbezogene Sonderlösungen. Alle Niederlassungen sind gespiegelte Produktionsstätten, die über identische Maschinenkonzepte verfügen. So erzeugt das Unternehmen jeden Tag über 1500 Stanzbleche, die alle dieselbe Qualität aufweisen und aus dem gleichen Stahl aus Deutschland bestehen. Bedient werden Kunden aus 70 Ländern, bei einer Exportrate von 80% (Exportrate des Hauptstandorts Pliezhausen beträgt ca. 65%). Hierfür ist Kocher + Beck seit Ende 2011 als eines von wenigen Unternehmen in Deutschland AEO-zertifiziert (Authorized Economical Operator). Dadurch genießt der Stanzwerkzeughersteller zahlreiche Privilegien im Zollrecht der Europäischen Union. Zugleich ist es aber auch ein Beleg für Zuverlässigkeit und Zahlungsfähigkeit sowie für die Einhaltung von Rechtsvorschriften und der Erfüllung bestimmter Sicherheitsstandards.

Für jede Anwendung das richtige Werkzeug

Groß geworden ist Kocher + Beck durch die hohe Nachfrage nach Stanzblechen für den Etikettendruck. Diese stellen noch immer das Kerngeschäft des Herstellers dar. Mittlerweile sind jedoch neben den hochwertigen Standard-Stanzblechen viele verschiedene Varianten für unterschiedliche Anwendungen erhältlich. Dazu zählt die Produktreihe Laser Long Life (3L), bei welcher mit einem speziellen Laserverfahren eine Härte von 65-68 HRc erreicht wird. Dadurch weisen die Stanzwerkzeuge nur geringe Verschleißeigenschaften auf, so dass eine lange Lebensdauer möglich ist.

Auch die Stanzbleche Chrome 24 und Nanotec eignen sich für Anwendungen, die eine hohe Laufleistung erfordern. So verfügt Chrome 24 über eine 0,01 mm dicke Chromschicht mit einer Härte von 70 HRc und eignet sich daher für abrasive Substrate wie papier-basierte Haftmaterialien. Dagegen werden die Nanotec-Stanzbleche mit einer sehr dünnen, aber harten Mikrobeschichtung (mehr als 80 HRc), versehen. Daraus resultiert neben der hohen Laufleistung eine reduzierte Klebstoff- und Farbanhaftung an den Schneidkonturen. Anwendungsgebiete sind das Stanzen von abrasiven Kunststoff- und Papiermaterialien.

Für Anwendungen, die Werkzeuge mit einer Antihaftwirkung erfordern, bietet Kocher + Beck seinen Kunden die Gluex-Stanzbleche an, welche in den Versionen Plus und Ultra erhältlich sind. Beide verfügen über eine Spezialbeschichtung, die verhindert, dass sich Klebstoff und Farbe an den Schnittkanten ablagern können.

Neben dem umfangreichen Angebot an Stanzblechen sind auch hochwertige Magnetzylinder erhältlich. Diese verfügen über Spaltmaßtoleranzen von maximal 3 µm und eine Haltekraft von 9,1 N/cm2. Sollten jedoch höhere Kräfte erforderlich sein, lassen sich diese Werte durch den Einsatz von Spezialmagneten um das Fünffache steigern. Darüber hinaus führt der Hersteller auch Wartungen, Reparaturen(-) und Überarbeitungen an Magnetzylindern aus.

Kocher-Beck-History06Variabler Zylinder und robustes Gewebe

Das GapMaster-System gehört seit 1997 zu den innovativsten Produkten im Portfolio von Kocher + Beck. Basierend auf einem variablen Gegendruckzylinder, lässt sich damit bei laufender Produktion das Spaltmaß zum Magnet- bzw. Stanzzylinder einstellen. Dabei beträgt der kleinste Verstellschritt 0,0008 mm bei einem Verstellweg von +/- 0,1 mm. Dies ermöglicht die sichere Verarbeitung unterschiedlicher Substrate mit jeder Trägermaterialart und -stärke. Zudem verringert sich durch die korrekte Einstellung des Spaltmaßes der Verschleiß von Stanzwerkzeugen und den Komponenten des Stanzwerks. Anwendung finden diese Systeme in einer Vielzahl von Stanzaggregaten sowie in den hauseigenen Systemen, die Kocher + Beck für verschiedene Druckmaschinenhersteller weltweit entwickelt. Dazu gehört z.B. die Quick-Change-Stanzstation mit Schnellwechselfunktion für Stanz- und Magnetzylinder, welche für die Nilpeter-Etikettendruckmaschinen der Baureihen FA und MO optional verfügbar ist.

Großer Nachfrage erfreuen sich auch die robusten TecScreen-Siebdruckplatten, welche nur im Stammwerk in Pliezhausen hergestellt werden. Die Edelstahlgewebe werden in verschiedenen Schritten vernickelt, aufgewickelt und anschließend unter UV-geschützten Reinraumbedingungen mit Fotopolymer beschichtet. Zuletzt wird eine transparente Trägerfolie aufkaschiert, die das Gewebe in den nachfolgenden Arbeitsschritten vor mechanischen Beschädigungen schützen soll. Die Verarbeitung kann in konventionellen Kopiersystemen mit Film oder in digitalen UV-Belichtern erfolgen. Darüber hinaus bietet Kocher + Beck die gesamte Peripherie und Zubehör wie z.B. Filmlochstanze, universellen Montageturm, Schweißbalken, Rakel, Auswaschgerät, Siebdruckringe etc. an, damit Kunden ihre Druckformen wirtschaftlich selbst fertigen können.

Kocher-Beck-History07Unterbrechungsfreie Produktion

Auch die automatischen Rollenwechsler UR Precision haben sich seit der Produkteinführung im Jahr 2010 auf dem Markt etabliert und erfahren einen hohen Absatz, so dass die vorhandenen Fertigungskapazitäten mittlerweile nahezu ausgeschöpft sind. Aus diesem Grund ist, wie oben erwähnt, der Bau einer neuen Produktionshalle mit 1200 m2 geplant.

Die UR-Precision-Systeme sind servo-betriebene Ab- und Aufwickler und ermöglichen das unterbrechungsfreie Zuführen bzw. Aufwickeln von bahnförmigen Mehrschicht- oder Monomaterialien. Für die Beladung mit Material verfügt der Abwickler über einen integrierten Rollenheber. Zudem sorgen ein servo-betriebenes Puffersystem sowie eine Isolationstänzerwalze zur Entkopplung des Folgeprozesses für einen störungsfreien Rollenwechsel. Der Spleißvorgang erfolgt dabei mit einer automatischen Stoß-an-Stoß-Anklebung.

Das Aufwickelsystem schneidet die fertige Rolle automatisch und transferiert die Bahn auf eine vorbereitete Hülse. Die Rolle wird anschließend pneumatisch ausgeschoben und auf einem speziellen mobilen Hubwagen abgelegt. Für eine optimale Wicklung sorgt eine integrierte Spannungsregelung. Darüber hinaus ist optional eine Bahnkantensteuerung verfügbar. Über 40 dieser Anlagen konnten in den vergangenen drei Jahren in Europa und den USA erfolgreich in Betrieb genommen werden.

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